Geschichte Baden-Badens

Die Geschichte Baden-Badens reicht von der römischen Siedlung Aquae über die Residenz der Markgrafschaft Baden bis zur international bekannten Kurstadt des 19. Jahrhunderts. Prägend waren von Anfang an die heißen Thermalquellen am Florentinerberg, die schon die Römer nutzten und die der Stadt über die Jahrhunderte immer wieder neue Bedeutung gaben. Dieser Artikel gibt die ausführliche Stadtgeschichte wieder, die im Hauptartikel Baden-Baden nur im Überblick steht.

Zeitstrahl

Der Zeitstrahl bündelt datierte Ereignisse und Personen aus dem Stadtwiki, die mit der Geschichte Baden-Badens verknüpft sind.

Römische Siedlung Aquae

Um 70 n. Chr. besetzten die Römer das zuvor keltisch besiedelte Oostal und gründeten die Siedlung Aquae, deren Name sich von den zahlreichen heißen Thermalquellen ableitete. Zwischen 99 und 197 n. Chr. stieg sie zum Hauptort Aquae Aureliae der Verwaltungseinheit Civitas Aurelia Aquensis auf. Der militärisch verwaltete Badeort wandelte sich zu einem Gebietszentrum mit ziviler Verwaltung, und städtische Strukturen entwickelten sich. Nach dem Fall des Limes um 260 n. Chr. eroberten die Alemannen das Oostal. Die anschließende alemannische und fränkische Siedlungsphase hinterließ jedoch kaum Spuren im Stadtgebiet. Das Städtchen an der Oos erhielt den von der lateinischen Bezeichnung abgeleiteten Namen Badon im Ufgau.

Mittelalter und Markgrafschaft

Eine aus dem Jahr 1040 stammende Urkunde belegt, dass die Villa Baden inzwischen ein Ort mit eigenem Marktrecht war. Der Name Baden stand zuerst nur für den Ort, später auch für die Markgrafschaft und das Großherzogtum. Mit Hermann II. begann 1112 die Herrschaft der Zähringer in Baden. Der Bau von Schloss Hohenbaden wird auf ihn zurückgeführt. Mit der Gründung des Klosters Lichtenthal im Jahr 1245 wurden im Zusammenhang mit Schenkungen, Zehnt- und Allmendrechten erstmals auch die anderen Siedlungen im Oostal erwähnt: Balg, Oos, Beuern, Geroldsau und Scheuern.

1479 wurde das ältere Schloss Hohenbaden auf Befehl von Markgraf Christoph I. vom stadtnäheren Neuen Schloss als Residenz abgelöst. 1514 ließ er um Baden herum eine Stadtmauer errichten und verlieh der Stadt ein fortschrittliches Stadtrecht. Im 15. und 16. Jahrhundert besuchten berühmte Ärzte und Schriftsteller die Stadt.

Reformation und konfessionelle Teilung

Nach der Reformation wurde die Markgrafschaft im Jahr 1533 in die katholische Linie Baden-Baden und die evangelische Linie Baden-Durlach aufgeteilt. 1594 besetzte Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach die Markgrafschaft Baden-Baden. Dem Kaiser gegenüber hatte er sich verpflichtet, den Glauben im besetzten Landesteil nicht zu ändern. Auch nach seinem Tod und dem Beginn der Herrschaft seines Bruders Georg Friedrich gab es keinen offiziellen Wechsel, allerdings wurden Katholiken zunehmend benachteiligt. Im Dreißigjährigen Krieg unterlagen die Truppen Georg Friedrichs, und Markgraf Wilhelm von Baden-Baden wurde Herrscher der Markgrafschaft. Es folgte eine Phase der Rekatholisierung: Wilhelm holte zur Gegenreformation den Kapuziner- und den Jesuitenorden in die Stadt und ließ sie Klöster gründen.

Stadtbrand 1689 und Residenzverlegung

Im Jahr 1689 wurde die Stadt im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs von französischen Truppen angegriffen und großflächig in Brand gesteckt. Markgraf Ludwig Wilhelm war zu dieser Zeit mit der Abwehr der Osmanen im fernen Wien beschäftigt. Nach seiner Rückkehr verlegte er die Residenz von Baden-Baden nach Rastatt. Mit den Söhnen Ludwig Wilhelms starb die Linie Baden-Baden aus, und die Markgrafschaft fiel an die Markgrafen von Baden-Durlach.

Großherzogtum und Aufstieg zur Kurstadt

Im Zuge des Verteilungskampfes der Napoleonischen Kriege wurde aus der zuvor unbedeutenden Markgrafschaft im Jahr 1806 ein von Frankreich abhängiges Großherzogtum. Großherzog Carl Friedrich trieb von Karlsruhe aus die Entwicklung des Kurortes Baden voran und verlegte seine Sommerresidenz in das restaurierte Neue Schloss. Sein Baudirektor Friedrich Weinbrenner zeichnete für den Bau des neuen Kur- und Promenadenhauses verantwortlich. Thermen, Trinkkuren und vor allem das Glücksspiel in der Spielbank lockten ein internationales Publikum an. Die Stadt wurde zum Treffpunkt von Politikern, Adel, wohlhabenden Bürgern und Künstlern und damit zur Bühne einer facettenreichen Gesellschaftskur. Es entstand eine vielseitige Tourismus- und Freizeitinfrastruktur, die Lichtentaler Allee wurde zum Park ausgebaut, und es entstanden Luxushotels und viele bedeutende Gebäude, die die Kurstadt bis heute prägen.

Spielbankverbot und Modernisierung der Bäder

Mit dem Krieg gegen Frankreich 1870 blieben die ausländischen Gäste aus. Ab 1871 wurde das Glücksspiel im neu gegründeten Deutschen Reich per Gesetz verboten, und mit der Spielbank verlor Baden-Baden einen wichtigen Besuchermagneten. Um den zu erwartenden Besucherrückgang abzufangen, modernisierte die Stadt ihr Bäderangebot. Großherzog Friedrich ließ das Friedrichsbad, später auch das Augustabad erbauen. Statt des französischen Adels traf sich von da an vor allem der preußische Adel in Baden-Baden.

20. Jahrhundert und Gegenwart

Die beiden Weltkriege überstand Baden-Baden fast unbeschadet. 1945 wurde die Stadt zum Sitz der französischen Militärregierung im Südwesten Deutschlands, und in der Weststadt entstand das französische Wohnviertel „Cité française". Viele bekannte Künstler ließen sich in Baden-Baden nieder, und die Stadt gewann wieder an Attraktivität. In jüngerer Zeit rückte Baden-Baden auch als Tagungsort wieder in den Blick: 2017 trafen sich hier die Finanzminister der G20. 2021 wurde die Stadt gemeinsam mit zehn weiteren europäischen Kurstädten als The Great Spa Towns of Europe in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.