Pierre Boulez (* 26. März 1925 in Montbrison, Département Loire; † 5. Januar 2016 in Baden-Baden) war einer der einflussreichsten französischen Komponisten und Dirigenten des 20. Jahrhunderts und ein Vorkämpfer der musikalischen Moderne. Über fünf Jahrzehnte lang hatte er seinen Wohnsitz in Baden-Baden, das ihm 2015 die Ehrenbürgerwürde verlieh und auf dessen Hauptfriedhof er begraben liegt.
Bezug zu Baden-Baden
Boulez kam in den 1950er Jahren als Gastdirigent zum Sinfonieorchester des damaligen Südwestfunks (SWF) nach Baden-Baden, dessen Studios in der Stadt lagen. Ende der 1950er Jahre kehrte er dem von ihm als erstarrt empfundenen Pariser Musikbetrieb demonstrativ den Rücken und ließ sich in Baden-Baden nieder, wo er seit Anfang der 1960er Jahre wohnte.
Die Stadt am Rand des Schwarzwalds blieb über Jahrzehnte sein fester Wohnsitz, auch während er international als Dirigent und Institutionengründer tätig war. Hierher zog er sich zurück, um dem Trubel der Metropolen zu entgehen, sich zu erholen und zu arbeiten. Baden-Baden würdigte ihn 2004 mit der Goldenen Ehrenmedaille und verlieh ihm anlässlich seines 90. Geburtstags 2015 die Ehrenbürgerwürde.[1]
Boulez starb am 5. Januar 2016 im Alter von 90 Jahren in seinem Baden-Badener Haus. Am 13. Januar 2016 wurde er auf dem Hauptfriedhof Baden-Baden beigesetzt. Eine offizielle Trauerfeier folgte am Tag darauf in Paris. Oberbürgermeisterin Margret Mergen würdigte ihn als jemanden, der „die Musikwelt aufgemischt und neue Maßstäbe gesetzt" habe.[1]
Leben und Werk
Boulez studierte am Pariser Conservatoire unter anderem bei Olivier Messiaen und wurde rasch zu einer Leitfigur der Nachkriegsavantgarde. Mit Werken wie „Le Marteau sans maître" (1955) für Altstimme und Kammerensemble etablierte er sich als kompromissloser Erneuerer, der die serielle Kompositionstechnik konsequent weiterdachte. Als Theoretiker und Polemiker prägte er die Debatten über zeitgenössische Musik weit über Frankreich hinaus.
Parallel baute er eine internationale Dirigentenkarriere auf. Von 1971 bis 1975 leitete er das BBC Symphony Orchestra in London, von 1971 bis 1977 war er als Nachfolger von Leonard Bernstein Musikdirektor des New York Philharmonic. 1976 gründete er in Paris das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Ensemble Intercontemporain, und von der Mitte der 1970er Jahre bis 1992 stand er dem von ihm initiierten Forschungsinstitut IRCAM (Institut de recherche et coordination acoustique/musique) am Centre Pompidou vor, das die Verbindung von Musik und Klangtechnologie vorantrieb.
Als Dirigent setzte sich Boulez besonders für die Musik des 20. Jahrhunderts ein, von Debussy und Strawinsky über die Zweite Wiener Schule bis zu seinen eigenen Werken, war aber auch im romantischen Repertoire präsent. Sein Wirken wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit zahlreichen Grammy Awards.
Weblinks
- Pierre Boulez in der Wikipedia
Einzelnachweise
- ↑1.1↑1.2 Feierlicher Abschied von Pierre Boulez in Baden-Baden, neue musikzeitung, 13. Januar 2016. (Archiviert)